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Premiere in neuer Besetzung

Wir befinden uns wenige Tage vor unserem ersten richtigen Sommerurlaub als Großrudel. Der Sechzehnjährige, der nach eigener Auskunft schon die längste Zeit nur mehr uns zuliebe überhaupt auf Familienurlaub mitfährt und uns seine semigöttliche Gnade regelmäßig spüren lässt. Dann die wortgewaltige Elfjährige, die eigentlich fast zwölf ist und gefälligst vorn im Auto sitzen will. Die beiden Eltern - für die im übrigen feststeht, dass sie (wegen der längeren Beine und so) jedenfalls abwechselnd rechts oder links vorne sitzen werden. Und erstmals die beiden Frösche.

An hunderte, ja tausende Dinge denken wir seit Tagen und Wochen: spezielles Baby-Wasser kaufen, weil das italienische, man weiß ja nicht, ob sie´s vertragen. Salben, Puder, Gewand für alle Anlässe und Eventualitäten, schließlich kann´s in Bibione auch im Sommer empfindlich huschi werden, zumindest für Dreimonatige, die eigentlich erst seit zwei Monaten da sein sollten, Schnuller, Flascherl, Sauger, Milchpulver, falls es mit dem Stillen am Campingplatz wider Erwarten nicht so easy klappen sollte, der große Kinderwagen, einen Ersatzschlauch für dessen Reifen, Sonnenschutz in jeder Form (Milch, Kappe, Schirm), Reisegitterbett, Windeln. Und, und, und... Schiere Tonnen sammeln sich da an.

So ein Glück, dass zumindest die anderen in der Lage sind, sich ihre sieben Zwetschken zusammenzuklauben und einzupacken. Obwohl, man fragt sich manchmal, ob das mit der Selbständigkeit eine so schlaue Idee war. Meine Güte, was kann man denn schon alles brauchen? Ein, zwei Badehosen, Unterwäsche, ein paar T-shirts, kurze und lange Hose, Schuhe. Aus.Wie war es dann aber möglich, dass in einen ohnehin schon am höchstzulässigen Gesamtgewicht schrammenden und bis in die Dachbox mit leider doch lebensnotwendigem Zeugs vollgepfropften Minivan auch noch eine Gitarre samt Verstärker verstaut werden muss, ohne die sich unser jugendlicher Halbgott ganz sicher nicht aus dem Haus fortbewegen wird? Schon gar nicht mit uns. OK, wir fangen nicht so knapp vor der wohlverdienten Erholung zu streiten an, erinnern uns an die Tetris-Highscores unserer Schulzeit und fangen neu zu schlichten an, bis alles passt und Platz hat.

Unser Plan ist brillant: packen am Abend, rechtzeitig schlafen gehen, Wecker weckt um drei in der Früh, Babys werden schlafend ins Auto getragen und erst zum Frühstück umgezogen, keine Hitze, kein Stau, den ersten Vormttagskaffee genießen wir bereits am Strand. So kennen wir das aus den Prospekten der Familienurlaubsanbieter und Lebensratgeber.

Nun zur Realität: Packen bis spät (wir erinnern uns: der Verstärker!), dann Wohnung halbwegs sauber hinterlassen, man will ja eine Woche später an keinen Kriegsschauplatz heimkehren, der Wecker weckt (perfekt!), Babys schlafend ins Auto, allerdings halten sie nur bis zur Stadtgrenze durch, ab dann wirds durchwachsen. Aus dem geplanten Zwischenstop in Kärnten wird ein Parkplatz irgendwo viel weiter nördlich und nachdem die Zwillinge voll entspannt und liebevoll neben der Autobahn gestillt, gewickelt und umgezogen wurden, lässt sich einer von ihnen - zu schnell für unsere ansonsten pfeilhafte Reaktion - sein Frühstück nochmal gründlich durch den Kopf gehen, ist von oben bis unten angespieben und wir suchen schon nach dem Ersatzgewand. Die Szene wiederholt sich mit Zwilling II analog knapp nach der italienischen Grenze, hier haben wir uns eine Pannenbucht nach einem Tunnel bei strömendem Regen ausgesucht, ansonsten - same procedure. Bis Bibione wächst offen gestanden die Sehnsucht nach ein bisschen Ruhe und einem kleinen Bier.

Bevor wir weitererzählen, Grundsätzliches: Verreisen mit Klein(st)kindern gehört trotz aller Hilfsmittel und fragloser Erleichterungen irgendwie noch immer in das Kästchen "Mut kann man nicht kaufen". Soll heißen: wem´s aus welchen Gründen gleich am Anfang noch etwas zu viel Thrill ist, soll´s ruhigen Gewissens auf später verschieben. Besser einmal öfter Urlaub in den bekannten, weil eigenen vier Wänden machen und relaxen, als sich dem Erfolgsdruck der Umgebung zu ergeben ("bitte, die Chris und der Walter sind nach Namibia - und da war die Teresa grad mal fünf Wochen auf der Welt...") und sich aus Sorge um das Wohlergehen der eigenen Brut halb zu Tode fürchten. Nur so als Anregung.

Und so gehts demnächst weiter:

Eine Italienwoche mit Säuglingen
Der heikle Umgang mit Nachbarn in der Urlaubszeit
Unfälle passieren, nicht nur den anderen
was ändert sich, wenn die Kinder größer werden?

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