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Wie wirklich ist die Wirklichkeit?

Eine insbesondere unter Leuten mit viel zuviel Tagesfreizeit gern immer wieder diskutierte Frage: Wieso können wir uns eigentlich restlos sicher sein, dass wir sind, was wir sind, dass wir wahrnehmen, was wir wahrnehmen, dass unser Tun Auswirkungen in der Wirklichkeit hat?

Welche unumstößlichen Beweise gibt es eigentlich GEGEN die Hypothese, wir seien nichts anderes als nackerte Gehirne in Nährlösungen, von Robotern am Leben erhalten und von hochpotenten Artificial Intelligence-Rechnern mit Abermilliarden elektromagnetischen Daten versorgt, die sich in unseren armen Neuronen zum Bild der Welt zusammenfügen?

Lassen wir mal beiseite, wie unbedeutend solche Fragen vielleicht sind (wer trotzdem Lust hat, kann hier ein bisschen in diese Richtung weiterschmökern).

Mag alles sein, bloß, mit Verlaub, das Gefühl ist es nicht! Das Gefühl nämlich, die Sicherheit darüber zu verlieren, ob man nun gerade wach ist oder träumt, ob man in der gestaltbaren Realität verwurzelt oder einer Fiktion ausgeliefert ist.

Wer schon mal in einem Geschäft auf der Suche nach dem optimalen Kindergefährt leere Zwillingskinderwägen hin und her geschoben hat und sich vermeintlich selbst dabei zusehen konnte, kennt es.

Wer die Wohnung vor lauter geborgter, geschenkter, gekaufter oder gefundener Babywäsche kaum mehr durchqueren konnte, ohne auf total süße Strampler, putzige Söckchen, Hauben und Leiberln zu treten (und Windeln! Windeln in Hülle und Fülle. Babys lassen sich ihre Mahlzeiten sehr gerne noch einmal durch den Kopf gehen und das muss dann aufgefangen oder weggewischt werden!), kennt es.

Wer kleine Matratzen geschleppt, Gitterbetten aus vier verschiedenen Generationen mit viel Improvisationsgabe zusammengeschraubt und das Kinderzimmer ausgemalt hat, kennt es.

Man kennt das Gefühl, dass da was im Busch ist. Aber halt nicht so, dass man in gewohnter Höhlenmensch- oder Pfadfindertradition mit einem herzhaften „Problem erkannt, Problem gebannt!“ drauf losgehen könnte. Man ahnt, dass sich in Wirklichkeit (da ist sie wieder, die Wirklichkeit!) und hinter den Kulissen längst alles geändert hat. Aber es ist nicht greifbar.

Nicht ganz angenehm, vor allem, wenn Sie´s nicht gewohnt sind. Um der Wahrheit die Ehre zu geben, es ist sogar ein wenig unheimlich.
Zu unserer männlichen Erleichterung sei gesagt: Wir sind nicht allein!
Unseren Frauen geht’s zwar schon, aber nicht sehr viel besser. Und das, obwohl sie (schließlich tragen sie die Zwillinge ja auch 40 Wochen im Bauch mit sich herum) einen körperlich, hormonell, emotional um Vieles unmittelbareren Bezug zum Thema „ich bekomme Zwillinge“ haben.
Unbestreitbarer Startvorteil. Aber trotzdem: auch sie, wir dürfen durchatmen, machen sich kaum Vorstellungen davon, wie es sein wird, wenn die beiden Kinder erst mal da sind.

Außerdem, zu unserer weiteren Erleichterung – es gibt im Umgang mit der verloren gegangenen Sicherheit einen absoluten Welt-Tipp (vermutlich vom Dalai Lama) gratis dazu. Nämlich: Bitte finden Sie sich einfach damit ab!
Viele, wenn nicht die meisten Dinge im Leben möchten sich Ihrem Einfluss und Ihrer Kontrolle entziehen. Das war (und ist) zwar bisher in Wahrheit auch so, wir haben uns aber großteils ganz gut drüber hinweg geschummelt und mannhaft „alles in der Hand“ gehabt.
Ich sag Ihnen was: Vergessen Sie´s einfach, das macht nur unnötig noch mehr Stress. Die allermeisten Dinge passieren einfach, da können wir uns auf den Kopf stellen und mit den Ohren wackeln. Und es gibt keine bessere Schule, sich in gelassenem Gleichmut zu üben als das Leben mit Kindern.
Von dem wir ja bekanntlich zunächst einmal in Wirklichkeit nicht viel wissen.
Was wir tun können, ist uns einzugrooven:

Informieren Sie sich, aber nehmen Sie bloß nicht jede Horrormeldung ernst.

Ernst nehmen sollten Sie hingegen den Kinderwagenkauf, und zwar so ernst wie den Erwerb des letzten Autos, probieren Sie (mit einem vollen Rucksack als Gepäck), wie sich die Dinger manövrieren lassen.

Mischen Sie sich von Anfang an in Entscheidungen, die die Familie betreffen, ein. Es. Ist. Nicht. Unmännlich.

Lassen Sie nicht alles Babygewand Ihre Frau aussuchen. Nicht, weil Sie ihrem Geschmack misstrauen sollten, Gott bewahre, bloß nicht! Sondern deshalb, weil das in Wirklichkeit (!) ein jahrhundertealter mystischer Trick ist, der nicht nur bei Frauen funktioniert – Gewand und Spielsachen aussuchen heißt, sich jemanden darin und damit vorzustellen.

Und freuen sie sich auf den Moment, wo Sie ihren Kindern sagen können: "Schauts einmal da, das ist euer Platz zum Schlafen, den hab ich für euch vorbereitet."

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